„Da kann ich sie beruhigen“…

oder

Google Book Search kritisch betrachtet

In einem Interview äußert sich Dr. Rolf Griebel, Leiter der bayrischen Staatsbibliothek, zum Einstieg ins Google Book Search Projekt.
[Mal abgesehen vom Inhalt. Ziemlich cool finde ich, dass man das Orginal auch hören kann.] Dieses Interview stimmt mich ein wenig nachdenklich und ich kann es eigentlich nur wärmstens empfehlen.

Weil ich mich ein wenig genauer mit dem Google Book Search Projekt beschäftigt habe, wird meine Einstellung dazu immer kritischer.
Anfangs hat mich eigentlich nur die technische Umsetzung interessiert. Also wie scannen sie ganze Bücher ein, wie werden sie digitalisiert und indiziert. Wenn man dann aber in der Wikipedia Details dazu erfährt, wird man schon skeptisch: „Die Suchmaschine behält den gesamten Digitalisierungsprozess als Betriebsgeheimnis in der Hand und schließt die Mitarbeiter der Universitäten systematisch aus; sie haben keinen Zugang zu den Räumen des Scan-Projekts und etwaige Fenster sind abgeklebt.“ (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Google_Book_Search)
Dabei lässt dann auch noch die Qualität des Digitalisierungsporzesses zu wünschen übrig.

Aber zurück zum ursprünglichen Thema: Natürlich ist es schön, dass die Bestände der Bibliothek(en) allen zugänglich gemacht werden sollen. Dabei gibt’s aber ein paar Haken: Es werden nur die urheberrechtsfreien Bücher zugänglich gemacht. Außerdem sollte man sich überlegen, ob wir Bayern/Deutsche/Europäer wirklich unsere komplette Kultur, die in diversen Büchern definitiv festgeschrieben ist, einem amerikanischen, neokapitalistischen Unternehmen überlassen wollen. Auch wenn Google immer behauptet „Don’t be evil“ und sie auch womöglich nichts böses mit den Büchern vorhaben, wer will den wirklich bei der Suche nach Kafkas Prozess Werbung für Scheidungsanwälte o. ä. eingeblendet bekommen?

Für ambitionierte, nicht kommerzielle Projekte gibt es auch ein paar Beispiele:
Im Göttinger Digitalisierungszentrum werden die bestände der Unibibliothek digitalisiert. Außerdem haben sie ein Projekt gestartet bei dem man die „Partnerschaft“ für ein zudigitalisierendes Buch übernehmen kann. Voraussetzung: Kein Urheberrecht mehr.

Das archive.org, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein Archiv des „gesamten Internets“ zu erstellen, bietet auch die Möglichkeit nach Texten zu suchen. Wer mehr über die Philosophie des Internet-Archivs wissen will, sollte sich das Interview 07 des elektrischen Reporters mit Brewster Kahle, dem Leiter von archive.org, ansehen. Wirklich sehr empfehlenswert!

Andere Projekte sind: OpenLibrary, Public Library of Science, Internetangebot der Bibliotheken, Archive und Museen.
Eine Seite, die allgemein über das Thema OpenAccess informiert, ist OpenAccess-Germany.
Wen die Sache fasziniert, kann in diversen Blogs das Archiv- und Bibliothekarwesen verfolgen. Archivalia ist z. B. in meinem Feedreader. Einfach mal danach suchen. (googeln wollte ich mir jetzt verkneifen)

Zwei Videos, die ironischerweise bei Google Video gehostet sind, geben noch einen Einblick in die Philosophie und Geschichte Googles. Wenn man mal viel Zeit und Lust hat, sollte man sich auf jedenfall mal diese beiden Videos ansehen. Ich kann sie nur empfehlen:
Wer hat Angst vor Google von arte und The world according to Google, leider aber nur 10 Minuten am Anfang. Falls jemand ein komplettes Video mit Link kennt, einfach in die Kommentare.

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