Wired über die Deutsche Killerspiel-Debatte

Das amerikanische Magazin Wired hat einen interessanten Artikel über die Deutsche Killerspiel-Debatte veröffentlich. Aus neutralem Blickwinkel kommen zwar alle Positionen zu Wort, aber leider ist die Argumentationsbasis der Offiziellen doch wirklich dünn. (siehe letzten Zeilen)

Ich wollte mich ja bewusst aus dieser Debatte heraushalten, da ich wahrscheinlich zu emotional geworden wäre. Deswegen habe ich mich damit begnügt den Artikel von Wired ins Deutsche zu übersetzen. Natürlich nicht ganz uneigennützig, denn ich schreibe morgen meine letzte Englischklausur, in der – man kann es sich fast denken – eine Übersetzung verlangt wird.
Ich will nicht behaupten, dass es besonders gutes Deutsch geworden ist, was ich fabriziert habe, gegen Ende wurde es auch ein wenig zäh (sehr lange), aber immerhin. … 🙂

Ihr könnt euch auch gerne mit der Google-Übersetzung begnügen.

Natürlich habe ich mich auch kurz mit maschinenbasierter Übersetzung beschäftigt. Ein weites Feld, deshalb nur ein paar weiterführende Links… auf dem 23C3 gab es einen Vortrag darüber.

http://sourceforge.net/projects/mosesdecoder/
http://www.iccs.inf.ed.ac.uk/~pkoehn/publications/tutorial2006.pdf
http://www.statmt.org/moses/


Die Deutschen, die aufgrund ihrer problematischen Vergangenheit schon immer sehr bedacht waren, beäugen die Gegenwart und die Zukunft sehr gründlich. Und das könnte Probleme für einige Videospiele bedeuten.

Politiker bringen neue Gesetze ein, die Spiele verbieten, in denen es sich um Gewalt oder Hass dreht. Nicht nur das, dieses entschieden kriegsfeindliche Land beeinflusst die Europäische Union europaweite Zensur dieser besonders brenzlichen Spiele durchzusetzen.

Gewaltlosigkeit und Pazifismus bilden den Grundstein der modernen Deutschen Gesellschaft, wo die Erinnerungen an Adolf Hitler und an das Dritte Reich immer noch lebendig sind, und wo die Strafe für Missetäter noch sehr groß ist. Jemand, der dabei erwischt wird, Nazi-Artikel zu verbreiten, kann mit einer Haftstrafe wegen Volksverhetzung von bis zu fünf Jahren rechnen.

„Meine Eltern, nach dem zweiten Weltkrieg geboren, wurden von ihren Eltern streng gegen Gewalt erzogen, und gaben das an mich weiter“, erklärt der Soziologe Matthias Richter, Professor der Universität Bielefeld. „Dadurch wurde der gesamten Gesellschaft bewusst, was Gewalt ist und was Gewalt verursacht, und das wurde in den Gesetzen Deutschlands festgehalten.“

Deutschlands Zwangslage besteht darin, die Lehren der Vergangen in die Erziehung mit einfließen zu lassen und in Einklang mit dem Schutz der Jugend zu bringen und gleichzeitig eine freie und offene Gesellschaft zu bleiben, wie es im Deutschen Grundgesetz, dass die US Constitution zum Vorbild hatte, festgeschrieben wurde. Und das ist der Punkt, wo die Macher von gewaltsamen Videospielen, Probleme bekommen.

Einige Deutsche Beamte verbinden diese Spiele mit einer Zunahme der Gewalttätigkeit unter Jugendlichen und zitieren meistens einen Fall, in dem ein Spieler das Gelernte aus einem First-Person-Shooter auf die Wirklichkeit anwendete, was in einem Blutbad endete. Wenn man diese Verbindung unterbricht, so argumentieren sie, verhindert man weitere Gewalttaten.

Deutschland beherbergt viele Spieler, aber die Gewalt, die man in diesen Spielen findet, wird dort weitläufig kritisiert. Deutschland hat einige der strengsten Videospiel-Zensurgesetze in der westlichen Welt. Es ist z. B. per Gesetz verboten Counter-Strike oder andere Titel zu verkaufen, die Blut bildlich darstellen. Aber für viele Politiker gehen diese Gesetze nicht weit genug.

„Die Medien und Politiker glauben, dass Gewaltspiele nicht in unsere Gesellschaft passen“ sagt Richter.

Pazifistische Themen bilden den Kern der Lehrbücher, die Deutsche Schulkinder lesen. Ein Großteil des Grundschul-Lehrplans soll die harten Lehren des zweiten Weltkriegs vermitteln, besonders alles, was den Holocaust betrifft.

Aber während es diese Bestimmungen gibt “über die Vergangenheit zu unterrichten und es nicht wieder geschehen zu lassen“, sei die Einschränkung von Videospielen der falsche Weg, sagt Ingrid Engert, eine Kollegin von Richter an der Universität Bielefeld.

„Nur ein zusätzliches Gesetz zu haben, ist nicht genug“, meint Engert, die selbst kein Fan von Gewaltspielen ist. „Man bei Wurzel anfangen für das, was in der Vergangenheit passiert ist. Sonst ist es zu stark vereinfacht. Eine Sache zu verbieten ist für Politiker zwar genug, aber für nicht für Pädagogen.“

Trotz dieses Aufruhrs ist Deutschland Heimat einer blühenden Spielekultur und ist laut Euromonitor einer der Größten Märkte für Videospiele auf der Welt. LAN-Partys finden regelmäßig in der ganzen Republik statt, wo auch Europas größte Spielemesse, die Games Convention in Leipzig, veranstaltet wird.

Viele Deutsche Spieler denken der Kreuzzug der Politiker gegen Gewaltspiele sei ein Mangel an Verständnis der Subkultur, was laut Frank Vorteile bringt, Vorsitzender des Deutschen eSport-Bundes, ein elektronischer Sportverein, der sich als Sprecher der Gemeinschaft sieht.

„Politiker spiele Bloß mit der Angst und der Unwissenheit ihrer Wähler über das Spielgenre“, sagt Sliwka. „Während Filme schon über ein Jahrhundert bestehen, sind Videospiele ein vergleichsweise junges Genre und werden noch nicht vollständig von der Öffentlichkeit verstanden.“

In der Tat wurden die Spiele der Sündenbock von Gesetzgebern, sagt Alexander Müller, Manager des Clan SK Gaming, ein erfolgreiches Team, das auf internationalen Parkett mitspielt.

„Deutsche Politiker betrachten nur eine Seite des Spielens“, sagt Müller.
„Wenn ein soziales Problem aufkommt, ist es einfach nur ein Argument zu finden, wenn man dann jemanden hat, den man beschuldigen kann, sodass man tiefer eindringen muss.“

Aber viele Deutsche glauben, dass Gewaltspiele nie wieder jemandem wie Sebastian Bosse in die Hände fallen sollten. Der 18-jährige verbrachte unzählige Stunden damit Couter-Strike zu spielen und erschoss dann mehr als dreidutzend Menschen in einer Schule in Emsdetten. Bosses Blutbad, das er mit seinem Selbstmord beendete, folgte ein Forumpost in einem Spieleforum, der die offne Drohung weitere Morde an einer anderen Deutschen Schule zu verüben beinhaltete.

Nach diesen Vorfällen schlugen einige Politiker vor den Verkauf und die Weiterverbreitung von Gewaltspielen mit Geldstrafen bis hin zu Gefängnisaufenthalten zu bestrafen. Ein Sprecher von Günther Beckstein, bayrischer Innenminister, bestätigte, dass Beckstein den Bundesrat ersuchte, Gewaltspiele zu verbieten, wenn eine Verbindung zwischen gewalttätigem Verhalten und Gewaltspielen hergestellt werden kann.

Vertreter Deutscher Minister, die von Wired News befragt wurden, behaupteten, es sei unwahrscheinlich, dass Gewaltspiele in Deutschland verboten werden könnten, und erklärten, dass auch andere Maßnahmen in den kommenden Monaten diskutiert werden. Die Versprechen reichen von der Lockerund der Spiele-Einstufungsregelungen [USK] bis hin zur Verschärfung bereits bestehender Gesetze.

„Es ist nicht gut für unsere Kinder, dass sie bereits Zeit mit Gewaltspielen verbringen“, sagte ein Sprecher des Justizministeriums. „Der Staat hat die Pflicht sowohl unsere Kinder als auch unsere Erwachsenen vor Gewalt zu schützen.“

Deutsche Politiker sprechen sich auch innerhalb der Europäischen Union gegen Gewalt in Videospielen aus. Im Januar bat Bundesinnenminister Schäuble den europäischen Minister für Justiz und des Inneren eine europaweite Regelung für Gewaltspieletitel anzustreben.
Ein Sprecher der europäischen Kommission bestätigte, dass Beamte bereits abwägen, ob Mitgliedsstaaten die Herstellung und Verbreitung bestimmter Gewaltspiele reglementieren sollten – Manhunt wurde z. B. als schlecht für die Gesellschaft befunden. Die Minister werden vielleicht in einem Monat zusammen kommen, um ihr weiteres Handeln zu entscheiden, sagte der Sprecher.

Aber die meisten Deutschen sind gegen Gewaltspiele, erklärt Andreas Fess, ein Direktor der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Laut Fess verbinden die meisten Deutschen das Massaker des letzten Jahres mit Videospielen und somit ist eine allgemeine Beschränkung wünschenswert.

„Wenn man Erwachsenen erlaubt solche Spiele zu kaufen, werden sie auch von Kindern gespielt, aber wir wollen nicht, dass Kinder das tun“, sagte Fess. „Also müssen wir sie auch für Erwachsene verbieten.“

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2 Responses to Wired über die Deutsche Killerspiel-Debatte

  1. torschtl sagt:

    leckt mich am arsch ihr volksverräter…werd emit 19 wohl selbst bestimmmen können, ob ich diese spiele spielen will oder nicht…

  2. Sascha sagt:

    Ja, etwas ähnliches denke ich mir auch immer wieder, wenn ich Politiker, die noch NIE in ihrem Leben ein Computerspiel gespielt haben, über Gewalt und deren Auswirkung in Spielen diskutieren sehe.
    Wenn man sich um Kinder wirklich sorgt, mag das scheinheilig sein, denn die Eltern und nicht „der Staat“ sind für die Erziehung der kleinen zustänidg, aber diese unglaublich dreiste Bevormundung von Erwachsenen ist wirklich unglaublich.
    Tut mir leid, aber da hilft nur Nuhr: „Wenn man keine Ahnung hat… Einfach mal Fresse halten“!

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