Raubkopierer, Musiker und die Musikindustrie

Am Mittwoch ist mir ein kleines Heftchen in die Finger gekommen. Das Häfftmäg vom Hausaufgaben Häfft.
U. a. geht es in diesem Häfft-Mäg auch um Raubkopierer. Das übliche Szenario ist beschrieben. Ein Mädchen, Schülerin, liebt Musik, hat aber nicht wirklich Geld um sich für 16,00 Euro immer eine neue Platte zukaufen. Deshalb läd‘ sie schwarz.

Um das erstmal klarzustellen, ich will auf keinen Fall untertreiben wie viele Verluste Napster und co. den Musikgiganten wie Sony, EMI usw. eingebrockt haben und ich finde illegales herunterladen auch nicht gerade fair den Bands gegenüber, aber für die Musikindustrie habe ich da dann doch noch die wenigste Verständnis.

Aber zurück zur Raubkopierenden Schülerin. Wenn sie also dann doch die Platte kauft, dann hat sie (eigentlich) das Recht Privatkopien zu machen, nämlich sieben an der Zahl; z. B. wenn sie mal auf einen Ausflug fährt und das teure Original nicht mitnehmen will. Der Hohn an der Geschichte ist nur, wenn die CD, die sie gekauft hat, gleichzeitig einen Kopierschutzmechanismus beinhaltet und sie diesen beim Brennen folglich umgeht, ist das schon wieder illegal, d. h. sie darf von einer CD, selbst wenn sie sie im Original besitzt keine Privatkopie machen.
Natürlich ist das Weitergeben auch nicht legal, das aber zu vergleichen mit Weiterverkaufen von CDs/DVDs finde ich jetzt schon auch einmal wieder ziemlich übertrieben.
Viele CDs habe ich z. B. kennengelernt, weil ich sie mir ausgeliehen habe oder von einem Kumpel empfohlen bekommen.

Dann geht es in dem Artikel weiter mit den großen Musikportalen. Schön und gut, toll auch, dass sie sich so gut entwickeln; nur erstens war die Musikindusrie mindestens fünf Jahre zu spät damit dran; und zweitens kann man da von Service nicht wirklich reden. Von einer CD ist man gewohnt, dass man sie kauft, auspackt und den CD Spieler steckt und sich ab sofort beschallen lassen kann. Bei digitalen Formaten sieht das schon wieder ganz anders aus. Jedes Portal hat seinen eigenen Player, die Formate sind dazu nicht kompatibel; teilweise brauch man (wahrscheinlich kostenpflichtige) Umkodierungs-Software. Von wirklich einfacher Handhabe ist man noch weit enfernt.

Aber das beste Beispiel, wo man sich wirklich fragt, was diese „Musikindustrie“ ist in dem kurzen Artikel durch Zahlen ausgedrückt.
Eine CD kostet ca. 16 Euro (im Durchschnitt). Davon gehen lediglich 10% (!) an den Künstler selbst. Das ist gerade einmal 1,60 Euro. Ich will den (guten) Künstlern ja nicht mal unterstellen, dass sie so geldgeil wären. Aber von irgendetwas muss man sich nunmal ernähren. Übrigens gehen 40% an dritte Rechteinhaber, die Musiker selbst besitzen diese Rechte selten. die anderen vierzig Prozent gehen dann an die Plattenfirma. Bleiben noch 10 % für das Material. Rohling Booklet, Verpackung und Versand.

Ich will gar nicht sagen, dass wir ab jetzt CDs boykottieren sollen, ganz im Gegenteil, immerhin unterstützt man mit einem CD Kauf die Band noch minimal. Wenn man hingegen sie raubkopiert, schadest das der Band mehr als man denkt. Aber trotzdem sollte man sich doch vor Augen halten für was das Geld verwendet wird, wenn man 16 Euros auf die Ladentheke legt.
Vielleicht sind Ansätze wie Spenden über die Band Homepage eine Möglichkeit für die Zukunft. Da muss sich aber im Verständnis der Leute und ihre Einstellung zur Kunst noch ein wenig verändern.

Ich kann nur jedem empfehlen, wenn er eine Band/Sänger usw. gut und hörenswert findet, soll er sich ein paar Freunde schnappen und auf ein Konzert gehen. Konzertkarten sind zwar meistens noch teurer, dafür hat man auch ein Erlebnis der Extraklasse. Drei Stunden rundum Beschallung. Und das beste: Die Band spielt in dem Moment nur für euch (und ein paar Tausend andere Besucher)!

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One Response to Raubkopierer, Musiker und die Musikindustrie

  1. christian sagt:

    Zum einen sollte in Deiner Ausführung Erwähnung finden, dass die Musikindustrie seit Jahrzehnten die Preise für Schallplatten repektive CDs künstlich gleich hochhält, wobei die Produktionskosten für die Musik (dank reichlich Einsatz von Computertechnik) und auch für die Tonträger extrem gefallen sind. Zum anderen verlieren selbst die Plattenfirmen kein Wort darüber, dass ihnen die Raubkopiererei keine Verluste sondern nur niedrigere Reingewinne einbringen. Zeig mir bitte eine große Plattenfirma, die nicht mehrstellige Millionen- oder gar Millardensummen pro Jahr Gewinn macht. (Das ist übrigens der gleiche Bullshit den uns Microsoft seit Jahren verkaufen will… „Oh wir Armen, die Raubkopierer ruinieren uns…“ Bullshit! Oder druckt Bill Gates sein Geld selber? Kann dann wohl nicht so schlimm sein bei einem Vermögen von ca. 45 Mrd.$…)

    Was vielmehr Schule machen sollte, die ist die basisnahe Selbstvermarktung von Bands über das Internet (siehe z.B. Arctic Monkeys)… Damit lassen sich marktgerechte Preise erzielen, die Bands erhalten die Asche selbst und nicht der Riesenkropp von Marketinglern und die Fans können sich endlich mehr Musik leisten…

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